Stigmatisierende Presse

Liebe Diana, Du hast mich einmal gebeten, eine „Gegendarstellung“ zum kürzlich erschienen Spiegel Artikel zu schreiben.
Ich habe es bis jetzt nicht getan, weil ich dieser unqualifizierten Artikel so überdrüssig bin, wie Du es Dir in Deinen kühnsten Träumen nicht ausmalst.
Das ich nun doch ein paar Zeilen dazu schreibe, ist eine Verneigung vor Euch, „meinen Frauen“, die Ihr so viel Energie aufwenden müsst, EUREN Weg zur Geburt zu gehen, OHNE die breite Unterstützung der Gesellschaft. Wir Menschen sind nämlich unabdingbar darauf angewiesen in Beziehung und in Gemeinschaft zu leben, deshalb braucht es so viel Anstrengung, eben nicht von der großen Gemeinschaft getragen zu sein, bei der Wahl des Geburtsortes.
Ich möchte lediglich einige Sätze zu dem Artikel schreiben, nur um deutlich zu machen, dass solche Aufsätze etwas zu sein scheinen, was sie in Wirklichkeit nicht sind: nämlich sachlich und wissenschaftlich.
Da sagt ein Klinikarzt mit diesem überwältigendem Selbstbewusstsein, das nur Klinikmenschen in der heutigen Zeit haben, früher seien die Frauen doch sehr häufig gestorben, heute dank der Kliniken und der Medizintechnik sei dies nicht mehr der Fall. Was für eine unglaubliche Vermessenheit, die Gesundheit von Frauen und Kinder so zu reduzieren. Würde dieser Mensch etwas über den Tellerrand schauen und seinen, zweifelsohne klugen Kopf etwas anstrengen, müsste er erkennen, dass die Faktoren, warum Frauen heute Geburten besser überleben, zu einem großen Teil daran liegen, dass sich unsere Lebensverhältnisse um ein Vielfaches verbessert haben. Frauen sind heute einfach in einer gesünderen Lebenssituation, wenn sie gebären, als vor 100 Jahren.
Als weiterer Beweis der Risikohöhe einer Hausgeburt, werden Studien aus unterschiedlichsten Ländern mit der Situation in Deutschland verglichen. Jedem denkendem Mensch müsste klar sein, dass Studien in der Regel nicht miteinander vergleichbar sind. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. In jedem Land gehen ganz unterschiedliche Fallzahlen in die Perinatalstatistik ein, gelten andere Richtlinien bei der Geburt, auch bei einer Hausgeburt. Als Beispiel: weiss jemand, der liest, in Holland sei die Kindersterblichkeit höher, ab WANN eigentlich in Holland Sterbefälle gezählt werden?? Würde jemand ahnen, dass in Deutschland Babys, die vom Kreißsaal auf die Intensivstation verlegt werden, ganz anders gezählt werden, als die Kinder, die im Kreißsaal sterben?
Dies ist kein wissenschaftlicher Aufsatz, ich will lediglich einmal einige Punkte aufzählen, woran man schon auf den ersten Blick sehen muss, dass dies keine sachliche Diskussion ist, dass solche Artikel eine MEINUNG erzählen.
Vor einiger Zeit hast Du, Diana auf Deiner facebookseite eine Kostenauflistung veröffentlicht, zu der eine Deiner Kommentatorinnen meinte, es handle sich um eine Pseudostudie; auch hieran sehen wir, dass es eine ideologische Auseinandersetzung ist: denn es ist keine Studie gewesen, sondern eine KOSTENAUFSTELLUNG, sogar die einer Ärztin im Rahmen ihrer Doktorarbeit. Die selbe Frau, würde dieser wilden Aufstellung von Erhebungen aus verschiedensten Ländern in dem Spiegelartikel wahrscheinlich kommentarlos zustimmen, denn es klingt ja für den Laien so wissenschaftlich. Aber das bleibt meine wichtigste Aussage, es ist kein wissenschaftlicher Artikel, auch kein Expertenartikel.
Ahnst Du jetzt, wieso ich dieser Gespräche so müde bin?
Wünschenswert wäre, wenn Frauen unbehelligt ihre Kinder so gebären können, wie sie es möchten. Statt dessen wird eine Hetzjagd veranstaltet, auf eine verschwindend geringe Anzahl von Frauen (2%), die einfach in Ruhe gelassen werden wollen. Aber wo kämen wir hin, wenn Frauen das Kinderkriegen wieder unter sich ausmachen!
Ich werde es nicht müde, zu sagen: Frauen können Kinder austragen und gebären, das ist eine angeborene Grundkompetenz! Seit einigen Jahren wird uns erzählt und beigebracht, dies könnten wir nicht oder Expertenbeistand.
Mein anderer Merksatz ist: es gibt keine sicheren Orte, es gibt nur Menschen, die richtig handeln, egal wo.

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