Geburtsbericht Mareike

„Und unser nächstes Kind wird zuhause geboren werden!“
Die war der Satz, den ich bereits aussprach, noch bevor unser erstes Kind 3 Monate alt war, und der bei meinem Mann alles andere als Begeisterungsstürme auslöste. Doch ich war mir nach unserem „ersten Mal“ und all den unschönen Erfahrungen drum herum so gut wie sicher – das würde mir nicht noch mal passieren. Die Geburt meines Großen war nämlich alles andere als so, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Das lag vor allem wohl daran, dass ich ziemlich durchschnittlich informiert und überaus verschreckt der Meinung war, eine Geburt gehöre nun mal in ein Krankenhaus. Bereits die Vorsorgen bei meiner Frauenärztin zeigten mir ja schon, WIE wichtig eine stetige medizinische Überwachung meines Ausnahmezustands war und wie unverantwortlich es gewesen wäre, auch nur einen der vielen Tests und Untersuchungen ausfallen zu lassen. Am Tag der Geburt war auch so lange alles „gut“ bis wir und am Abend entschlossen, in das Krankenhaus unserer Wahl zu fahren. Um es kurz zu machen: Es wurde eine Entbindung „all inclusive“ mit gelegtem Zugang (denn es hätten ja Streptokocken umherschwirren können), jeder Menge Wehenhemmern/ Wehenanregern, PDA, nervtötendem Dauer Wehenschreiber, Kristellern und fast auch noch der Saugglocke. Dazu wechselndes Personal, unfreundliche Menschen und von den 9h, die ich im Kreissaal war, war so ungefähr 8h keiner anwesend.
Für unsere Nummer Zwei wollte ich dann alles anders machen. Also erst einmal den Mann von einer Hausgeburt überzeugt, was nicht sonderlich einfach war, aber im Endeffekt hat er sich dann doch mitziehen lassen – und dann die beiden besten Hebammen der Welt ausfindig gemacht. In Erinnerung an meine erste Schwangerschaft und die „schnell rein schnell raus“ – Betreuung meiner Frauenärztin konnte ich es fast gar nicht glauben, wie viel Zeit und wie viel Ruhe Nilufar und Gabriele für mich mitbrachten. Ich konnte Fragen stellen, Unsicherheiten oder Ängste äußern und von kleinen Begebenheiten der Schwangerschaft erzählen, die normalerweise niemanden interessiert hätten. Weg von allen „bildgebenden Verfahren“ und allen Messtabellen halfen mir die beiden, auf mein Bauchgefühl zu hören, mir selbst und vor allem meinem Baby ganz zu vertrauen, uns in kein Schema hineindrücken zu lassen und unsere gemeinsamen 9 Monate als Einheit ganz zu genießen. Auf jeden Vorsorgetermin habe ich mich immer wieder aufs Neue gefreut und jede Menge Vertrauen geschöpft, das ich die vor mir liegende Aufgabe der Geburt gut bewältigen könnte und das ich mich in guten Händen befinde. Danke Nilufar! Danke Gabriele!
Irgendwann in der Schwangerschaft hatte ich die Idee: Ich belege einen Hypnobirthing Kurs. Denn nach wie vor war mir eine Sache suspekt: Bevor ich bei meiner ersten Geburt ins Krankenhaus fuhr, war ich in einem „Flow-Zustand“, ein Glücksgefühl begleitete mich den ganzen Tag und ab und an hatte ich ein Ziehen im Bauch. Im Nachhinein war ich der Überzeugung, es müssen bereits Wellen gewesen sein, denn ich kam damals mit 8cm Muttermund in der Klinik an. Wo kamen die her? Gab es das also tatsächlich? Eine Geburt ohne Schmerz? Ich wollte es wissen ;) Was ich dort lernte, hat mich total fasziniert und überzeugt und ich war voller Vorfreude und ohne jede Angst auf die Geburt.
Wir begannen, alles vorzubereiten, die Liste abzuarbeiten, die wir von unseren Hebammen bekamen, ich wählte unser Wohnzimmer als Geburtsort aus und organisierte einen Pool.
Unschön war zwischendrin eine „Begegnung“ mit meiner ehemaligen Frauenärztin. Wir wollten gerne einen Ultraschall machen lassen um auf eventuelle „Fehlbildungen“ oder ähnliches vorbereitet zu sein (vom Geschlecht allerdings ließen wir uns überraschen) und besagte Ärztin weigerte sich – da wir uns nur von Hebammen betreuen ließen und nicht zu anderen Terminen in ihre Praxis kamen. Ein Wechsel zu einem anderen Arzt war also angezeigt.

Während ich jetzt schreibe erinnere ich mich wieder an die letzten 2 Wochen vor dem großen Ereignis. Ich erinnere mich an so viel Vorfreude, und so viel gespannter Erwartung, und ab und an vielleicht auch an ein bisschen Unsicherheit vor dem, was kommen würde. Würde ich das schaffen? Recht bald stand fest, das Nilufar „meine“ Hebamme werden würde, das Gabriele im Urlaub sein würde. Sie schaffte es letztendlich, das ich innerlich völlig frei wurde – denn egal was kommen würde, egal, ob ich nicht doch in ein Krankenhaus wechseln würde, es sei alles in Ordnung und richtig, wie es kommen würde. So kam der große Tag immer näher.
Termin war der 6.7. aber es tat sich nichts – Nilufar merkte, dass ich ungeduldig war (denn ich wollte auch endlich mal wissen, welches Geschlecht unser Baby denn hat) und gab mir irgendwas homöopathisches. Von da an konnte ich die folgenden Tage noch richtig genießen. Ich wollte mir unbedingt den Namen dieses Mittels merken – aber ich habe es bis heute nicht geschafft.
Am 09.07. hatte ich am Abend das erste Mal das Gefühl – der Bauch wir ab und an mal hart. Also sagte ich zu meinem Mann: “Du, ich glaub, in den nächsten 2 Tagen wird das was”. Zur Nacht hin ist jedoch alles wieder ruhig.
Am 10.07. geht mein Mann um 9 Uhr aus dem Haus und ich bin mit dem Großen alleine. Ab 10 Uhr merke ich einen regelmäßig wiederkehrenden Druck im Bauch. Ich gucke auf die Uhr: Alle 8 Minuten.
“Okay, alle 8 Minuten” denke ich, “das ist ja nicht so wild und außerdem tut mir ja auch nichts weh – was mache ich denn jetzt noch Schönes?”
Also habe ich zuerst meinem Mann eine SMS gesendet: „Bitte keine außerstädtischen Termine wahrnehmen, könnte heute noch was werden…“ dann packe ich den Großen ins Auto und fahre zu einer Freundin auf den Spielplatz.
Dort sitzen wir dann, trinken Kaffee und ich versuche ab und an mal, den Abstand der Wellen zu messen. Es gelingt mir jedoch nicht wirklich, weil ich, wenn die nächste kommt, jedes Mal bereits vergessen habe, wie spät es bei der vorigen war… und irgendwie ist mir das auch absolut nicht wichtig. Es kommt einfach, was kommt. Selten habe ich einen Tag so völlig im Einklang mit mir uns so bewusst erlebt. Alles, was danach noch passiert, geschieht genau zum richtigen Augenblick und macht Sinn.
Irgendwann merke ich, dass ich ein ganz klein bisschen blute und rufe Nilufar an um ihr zu sagen, dass wir uns wohl irgendwann in der nächsten Zeit sehen würden. Sie fragt mich, ob sie noch andere Termine wahrnehmen kann oder in Wartestellung gehen soll und ich sage: „ja gerne noch die Termine, sind ja nur ungefähr alle 8 Minuten und tut ja auch nichts weh.“
Mit meiner Freundin blödele ich kurz darauf über das Thema “Alleingeburt” und was ich wohl mache, wenn Nilufar nicht rechtzeitig kommt….ich sage ganz trocken “das Kind kriegen”….

Gegen 12 beschließt mein Großer, Bauchklatscher in eine Schlammpfütze zu springen, da wir keine Wechselklamotten dabei haben, ist das das Zeichen zum Aufbruch. Ich meine noch im Spaß: “Wenn sich nicht groß was tut, komme ich heute Nachmittag nochmal zum Müttertreff”. Denn es war ein Dienstag und normalerweise sieht sich an dem Termin immer ein Mütterkreis, der noch aus der Babyzeit meines Großen stammt. Eigentlich war das zu dem Zeitpunkt jedoch mehr ein Scherz.
Im Auto verfolge ich die Wellen auf der Uhr – mal 6, mal 7 Minuten.
Zuhause stille ich den Großen zum Mittagsschlaf im Bett und plötzlich beschleicht mich der Drang, schon mal den Pool aufzupusten und alle Sachen für die Hausgeburt im Wohnzimmer bereit zu legen. Falls es am Abend losgeht. Und damit ich das dann nicht mehr machen muss. Ich werde FAST fertig bis er wieder in der Tür steht. Aber ich will es irgendwie GANZ fertig machen, ein innerer Drang, der mich treibt….also setze ich ihn zum ersten und einzige Mal in seinem Leben vor den Fernseher, Rabenmutter ich *g*
Ich merke weiterhin regelmäßig einen Druck, der sich im Bauch aufbaut und ihn hart werden lässt. Ganz wie wenn man einen Oberschenkel anspannt, da merkt man auch einen Druck und er wird hart. Lässt man wieder locker, ist auch der Druck weg. Ganz so fühlt es sich bei mir im Bauch an. Schmerzen habe ich keine.
Als ich alles fertig habe ist es 15 Uhr und ich überlege mir, was ich mit dem Rest des Tages anfange. Ich glaube nicht, das es schon “Wehen” sind….die müssten ja weh tun….Hoffe es zwar irgendwie, aber glaube andererseits, es sind nur Übungswehen.
Mir geht es also prima, mein Großer ist nah am Wohnungskoller, denn draußen ist schönstes Sommerwetter, also lade ich uns alle wieder ins Auto und fahre zum Müttertreff 4 Stadtteile weiter.
Dort sitze ich dann in der Sonne und gucke mal wieder auf die Uhr. Wellen jetzt alle 4 Minuten. Ich gehe davon aus, dass ich mich verguckt habe aber überlege, ob ich mal Nilufar anrufen sollte.
In dem Moment ruft sie mich an um sich nach dem aktuellen Stand zu erkundigen. Das Gespräch lief ungefähr folgendermaßen ab:
“Wie gehts Dir denn?”
“Prima”
“Wo bist du denn?”
“In *** auf dem Spielplatz…” (ich etwas zaghaft…)
Nilufar muss lachen und wir machen aus, dass ich mich melde, wenn die “Wellen” alle 2 Minuten kommen oder ich den Druck “weiter unten” bemerke. Und das ich dann nach Hause fahren soll, wenn ich meine, ich möchte nicht mehr unterwegs sein.
Um 19 Uhr möchte ich tatsächlich aufbrechen, bis dahin habe ich einfach in der Sonne gesessen, gequatscht und ab und an mal einen etwas stärkeren Druck mitgeatmet. Meine Freundinnen erzählen mir später, ihnen wäre schon klar gewesen, was los war, sie hätten mich bloß nicht stören wollen jedoch ernsthaft überlegt, mal meine Hebamme anzurufen *lach
Im Auto sind es dann ab und an schon alle 3 Minuten.

Zuhause fange ich erst mal an, das Abendessen zu kochen…der Druck ist jetzt etwas stärker, während ich im Kochtopf umrühre muss ich mich ab und an abstützen und mit atmen. Mein Körper führt mich in die für mich angenehmste Position.
Mit meinem Mann witzele ich über “erste Geburt eine Katastrophe, jetzt nebenbei oder was” und darüber, dass ich bloß nicht, sollte es heute Nacht wirklich losgehen, das Haus zusammenschreien soll….denn bei dem Großen war ich wohl durch diverse Zimmer hinweg zu hören…
Ich gucke mal wieder auf die Uhr: Jetzt sind es alle 2 Minuten.
Tja….was machen? Da ich ja keine Schmerzen habe, sagt mein Verstand (der es eigentlich aus dem Hypnokurs besser wissen müsste), das das ja noch nicht eine echte Geburt sein könnte. Und ich möchte Nilufar irgendwie eine weite Anfahrt „für umsonst“ ersparen.
Ich beschließe, erst mal den Großen ins Bett zu bringen. Eigentlich wollte ich meine Mutter anrufen, dass sie kommt und auf ihn aufpasst. Irgendwie telefonieren wir auch den ganzen Tag über immer mal wieder, aber das sie kommt, dazu sehe ich keine Notwendigkeit. Nun ist ja auch der Große auf dem Weg ins Bett, sollte noch so etwas wie eine Geburt hier stattfinden, kann ja auch mein Mann aufpassen wie er schläft. Der will nämlich bei dem Event eigentlich gar nicht live dabei sein sondern erst gerufen werden, wenn das Baby geschlüpft ist. Jedenfalls war das so unsere Absprache, das er, der eigentlich noch immer kein Fan der Hausgeburt ist, mir zuliebe aber alles mitmacht, sich im Hintergrund halten will und die Geburt den Frauen überlässt.
Vor dem Schlafen liegen wir alle im Bett und lesen vor – plötzlich sind alle Wellen weg. Das bestärkt mich in der Annahme, dass es nur Übungskontraktionen waren und ich bin froh, Nilufar nicht gerufen zu haben, denn sie wohnt doch recht weit weg. Wäre ja doof gewesen, wenn sie umsonst gekommen wäre.
Beim Stillen sind die Wellen plötzlich wieder da (klar…das Oxytocin) aber ich denke mir, das es wohl an meiner liegenden Position liegen muss und dass Stehen angenehmer ist und bitte meinen Großen AUSNAHMSWEISE mal ohne Stillen zu schlafen. Und oh Wunder, er macht es…
Die Wellen sind wieder alle 2 Minuten und ich beauftrage meinen Mann, doch mal den Pool zu füllen, ich würde einfach mal Nilufar anrufen.
Als ich sie am Telefon habe quatschen wir zuerst über den Tag (wahrscheinlich wollte sie rausfinden, ob ich noch vernünftige Sätze bilden kann ;) ) und plötzlich macht es PLATSCH.
Die Fruchtblase ist geplatzt und ich stehe in einer Pfütze. Ich muss lachen weil ich es so surreal finde, dass mir beim Gespräch mit ihr die Blase platzt. Irgendwie fand ich das in dem Moment total lustig. Ich bitte sie, doch rüber zu kommen (auch gerne ungeduscht, sie fragte, ob sie das noch eben machen könne) und fasse nach dem Auflegen den Plan, meine nasse Hose gegen den Bikini auszutauschen. Irgendwas muss man ja im Pool anhaben…;)
Denn jetzt muss es doch mal losgehen, oder? Ich stelle mich auf einige Stunden Wehen und Aufenthalt im Pool ein.

Während ich auf dem Rückweg aus dem Bad bin (mein Mann hantiert dort mit den Schläuchen für den Pool) trifft mich eine etwas unangenehmere Welle. Ich muss wieder mit atmen. Und habe ein ganz urmenschliches Gefühl: Boa, ich muss mal!
Also biege ich ab Richtung Gäste WC. Dort lasse ich mich nieder und veratme noch ca. 4 Wellen, die sehr intensiv sind. Zwischendurch will ich eigentlich aufstehen, ich will ja zu meinem Bikini und zum Pool…..
Dann überrollt mich eine sehr starke Welle, so stark, das ich irgendwie irgendwo Schmerz empfinde und denke:” Na toll, jetzt geht es also los”
Dann habe ich noch genau 3 Gedanken:
1. Das werden die längsten 40 Minuten meines Lebens, bis Nilufar hier ist
2. Wenn das der Anfang ist und es jetzt losgeht, also ich glaub, das wird nichts zuhause
3. Aber Wenigstens kann ich jetzt gleich **** (auf die Toilette… ) ;)
Bei der nächsten Welle registriere ich dann meinen Denkfehler: Es tut sich, sagen wir mal „an der falschen Stelle“ was – ich gebe den einzigen lauten Ton dieses Abends von mir, ein tiefes “aaaaaaaaahhhhhhhh”.
Mein Mann springt alarmiert vom anderen Bad herüber, steckt den Kopf durch die Tür und fragt: “Alles in Ordnung???”
Ich (mit leicht irrem Tonfall): “Ja, alles prima, nur das Kind wird grade geboren.
In dem Moment war das Köpfchen auch schon auf der Welt – ich habe in dem Moment gemerkt, dass ich wohl hätte noch eine Welle veratmen sollen, es war mir aber nicht möglich. Dafür hätte ich doch die fachkundige Begleitung gebraucht.
Wellenpause.
Mein Mann hat plötzlich ein Handy in der Hand und ruft: “Ich ruf an!”
ich “wen willst Du anrufen? Das schafft keiner mehr, bis das Baby da ist, außerdem ist doch Nilufar unterwegs”. (Ich meine mich zu erinnern, das ich selbst in dem Moment mit ihm blödeln wollte, das der Pizzaservice jetzt auch überflüssig wäre).
Er: “Und was mache ich jetzt???”
Ich: “Auffangen”
Er:” Wie auffangen?”
Ich: “Auffangen, sonst fällt es ins Klo…….”
Ich weiß nicht wie, aber er hat sich ein Handtuch rangebeamt und während mein Körper mit der nächsten Welle mitgeht, die ich total befreiend finde, wird der restliche Körper geboren.
Da ist es, unser Baby, von meinem Mann grade so eben vorm Sturz ins Klo bewahrt worden ;)

Ich für meinen Teil bin in dem Moment das, was man „völlig durch“ nennt und lache und grinse und sage immer nur wieder “ich hab es geschafft, ich kann es, ich kann es ohne PDA, ich hab es geschafft, ich hab es ganz allein geschafft!!!!”
Mein Mann ist jetzt eher praktisch orientiert und fragt mich, was ich nun zu tun gedenke. Ich teile ihm ganz sachlich mit, dass ich nun auf die Matratze im Wohnzimmer umziehen würde. Leicht irritiert hilft er mir, das Kleine zu tragen (die Nabelschnur ist ziemlich kurz) und ich muckel mich mit Baby unter die Decke.
Es ist ganz rosig, blinzelt uns an, quiekt einmal und atmet prima.
20min später kommt eine etwas gehetzte Nilufar zu uns rein und kann sich nur noch mitfreuen (mein Mann hatte sie noch informiert, das das Baby schon da ist).
Gemeinsam gucken wir, welches Geschlecht das Baby hat, denn das war mir nach der Geburt und diesem Moment absolut egal: Ein MÄDCHEN! Ich lege sie gleich an und sie saugt wie ein Weltmeister.
Tja….und das wars schon….was ich den ganzen Tag nur als Druck wahrgenommen habe, war die Eröffnungsphase. Dann kam der “zeitige” Blasensprung. Um 22:28 Uhr habe ich Nilufar angerufen. Um 22:38 war unsere Tochter geboren. 5 unangenehme und 2 Presswehen. Und ich habe versucht, während Presswehen zu meinem Bikini zu gelangen.
Die Nachgeburt ließ leider auf sich warten, ganze 1,5h mit Positionswechsel auf den Gebärhocker und zurück auf die Matratze, und ich fand den ganzen Prozess nervig, schmerzhaft und unangenehmer als die Geburt. Dann wurde noch der Dammriss 2. Grades mit einem Stich genäht, was auch nochmal blöd war.
Schließlich war aber alles fertig und ich war so fit, das ich Duschen gegangen bin. Frisch geduscht war alles andere wieder vergessen und wir haben den Rest der Nacht im Wohnzimmer gekuschelt, bis am nächsten Morgen der große Bruder zum Gucken hereingestürmt kam (er war in der Nacht kurz wach, wollte da aber nicht).
Seitdem sind wir zu viert, der große Bruder macht sich super und ich bin immer noch fassungslos, das ich innerhalb 10 Minuten meine Tochter nahezu schmerzfrei zuhause geboren habe….das könnte ich direkt nochmal machen. Lange Zeit war ich traurig, das Nilufar im Endeffekt nicht dabei war und „nur“ bei der Nachgeburt helfen konnte, aber sie sagt ja selbst, das sie Plazenten so gerne mag. Und sollte es ein nächstes Mal geben, dann sage ich auch einfach bei unbestimmtem Druck alle 4 Minuten prophylaktisch Bescheid ;)
Leider scheint bei mir die erste Zeit nach der Geburt ein besonderer Ausnahmezustand zu sein. Bei beiden Kindern war es so, das mich (wahrscheinlich) der Hormonumschwung dermaßen aus der Spur geworfen hat, das es mir längere Zeit nicht gelang, die schöne, bunte Welt in anderen Farben als grau und schwarz zu sehen. Deshalb habe ich, abgesehen von den ersten 3 Tagen, an das Wochenbett keine sehr schönen Erinnerungen und konnte diese sensible Kuschelzeit nicht so wirklich genießen. Das ist der einzige Wehmutstropfen an dieser ganzen Geschichte.
Inzwischen sind einige Monate ins Land gezogen, unsere kleine Dame ist längst nicht mehr klein sondern riesig groß und irre fix, wenn sie sich quer durch das Wohnzimmer mitten in die Brio-Bahn ihres großen Bruders kullert. Die Beiden sind zwar noch kein Herz und eine Seele aber auf dem besten Weg dorthin: So sehr, wie sie lacht, wenn ihr Bruder Blödsinn macht, lacht sie bei uns Eltern lange nicht ;) Rückblickend kommen an die 9 Monate der Schwangerschaft und die Geburt nur gute Gedanken auf. Ich erinnere mich an viel Vertrauen zu diesen beiden, wundervollen Hebammen, dem Gefühl des ernstgenommen seins und der Bestärkung meiner Intuition. Ich erinnere mich an einen magischen Tag – nie vorher und nie nachher war alles, was geschah, so stimmig und richtig und ich so ganz bei mir. Und ich erinnere mich mit Lachen an den Gesichtsausdruck meines Mannes, als ich ihm mitteilte, dass das Köpfchen grade geboren wird und das gerade er, der nicht dabei sein wollte, sie aufgefangen hat.

Danke Nilufar und danke Gabriele, das es euch gibt und das ihr unsere Hebammen ward, denn ohne euch, wäre das alles gar nicht passiert!

liebe Grüße
eure
Maraike

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